Cáfe Philo

Der griechische Philosoph Sokrates, Vater der Ethik, hat die Menschen auf dem öffentlichen Marktplatz in philosophische Gespräche verwickelt. Er hat sie dort abgeholt, wo sie standen, d. h. bei ihrem jeweiligen Erfahrungs- und Wissensstand und den Fragen, die sich bei ihren unterschiedlichen Lebensformen stellten. Seine Gesprächstaktik, die sokratische Methode, besteht im hartnäckigen, bohrenden Nachfragen und in der Anleitung zur systematischen Begriffsanalyse. Dadurch sollen die Reflexionspotentiale und der Mut zum selbständigen Denken in den Gesprächspartnern geweckt werden, damit sie sich von falschen oder oberflächlichen Meinungen befreien und die wahren Sachverhalten erkennen können. Im Unterschied zur konventionellen Wissensvermittlung belehrt Sokrates seine Dialogpartner nicht, sondern leitet ihnen nur beim Erkenntnisprozess „Geburtshilfe“. Daher wird seine Tätigkeit auch als „Hebammenkunst“ (griechisch „Maieutik“) bezeichnet. Während Sokrates vorwiegend Dialoge führte, erweiterten die Neosokratiker Gustav Heckmann und Leonhard Nelson seine Methode im 20. Jahrhundert auf Gruppengespräche. Die Gesprächsleiter oder Moderatoren achten dabei auf das Einhalten elementarer Gesprächsregeln und das Festhalten am vereinbarten Gesprächsthema, enthalten sich aber selbst jeder eigenen Stellungnahme.

Auch die Gründung der ersten philosophischen Cafés kann als Fortsetzung dieser sokratischen Tradition gesehen werden. Es existieren heute allerdings so viele verschiedene Formen der konkreten Durchführung solcher Cafés, dass sich kein einheitliches Konzept ausmachen lässt. Nachdem Marc Sautet 1992 in Paris zum ersten mal zu einem Café philo einlud, werden heute weltweit in allen kulturell bedeutsamen Städten solche Gesprächsrunden organisiert. Ich selbst leitete schon eine große Zahl philosophischer Cafés in der Artischocke in Lörrach und im Unternehmen Mitte in Basel.

 Ziele:

  • Raum schaffen für systematische Reflexion und gemeinsames Sich-Beraten
  • vernunftgeleitete Kommunikationskultur fördern
  • selbständiges kritisches Denken und Argumentieren schulen
  • zu differenzierterer Welt- und Selbstwahrnehmung anleiten